PSA-LOA-Warnung: e4egg, Etsy, Bonanza und das Problem der Zertifikate ohne Foto
Das ist ein kleinerer Fall, aber er trifft eine der größten Schwachstellen in den Datenbanken zur Autogrammauthentifizierung.
Der Verkäufer heißt `e4egg`, sitzt in Hongkong und verkauft signierte Trikots bei Etsy und Bonanza. Das Sortiment ist genau das, was man bei einem Betrug mit teuren Autogrammen erwartet: Michael Jordan, LeBron James, Cristiano Ronaldo, Stephen Curry, Tom Brady, David Beckham, Victor Wembanyama und weitere große Namen.
Das Vertrauenssignal ist ebenfalls vertraut: PSA/DNA.
In diesem Fall geht es aber nicht nur um ein schlechtes Autogramm. Es geht um gefälschte Unterlagen im PSA-LOA-Stil, gebaut um gewöhnliche Zertifikatsnummern herum, zu denen es öffentlich zu wenig Bildmaterial gibt.

Der Verkäufer
Zum Zeitpunkt der Erfassung zeigte das Bildschirmfoto des Etsy-Shops:

Das Angebotsformat bei Bonanza folgt demselben Grundmuster: signierte Trikots von Spitzensportlern, PSA/DNA-Kennzeichnung, hohe Preise und Versand aus Hongkong.
Das ist kein billig zusammengeschusterter Schrott. Die Aufmachung reicht, um einen Käufer zu täuschen, der weiß, dass PSA ein echtes Unternehmen ist, aber nicht weiß, wie ein PSA/DNA-LOA aussehen sollte, wie alte PSA-Nummernbereiche funktionieren oder wie gefährlich einfache Zertifikatsdatensätze ohne öffentliche Bilder sind.

Die Ebene mit dem gefälschten PSA-LOA
Der stärkste Teil des Vorgehens ist das Papier.
Die Angebote zeigen Echtheitsschreiben im PSA/DNA-Stil mit einem holografisch wirkenden PSA/DNA-Block, einer Zertifikatsnummer, einem aufgedruckten Foto des Gegenstands und einer nachgeahmten Unterschrift von Joe Orlando am unteren Rand.

Zum Vergleich ein echtes PSA/DNA-LOA:

Die Fälschung ist nicht perfekt. Schrift, Abstände und der Gesamteindruck des Drucks stimmen nicht ganz. Für einen unerfahrenen Sammler, der ein Etsy-Angebot auf dem Telefon ansieht, ist sie aber nah genug dran, um gefährlich zu sein.
Genau das ist das Problem. PSA hat 2011 selbst angekündigt, dass das Hologramm des PSA/DNA-LOA in das Papier eingearbeitet ist und nicht bloß als Aufkleber obenauf klebt. Solche Merkmale sollten das LOA schwerer nachzumachen machen. Sobald Käufer aber darauf trainiert sind, nur auf einen bunten PSA/DNA-Block und eine Zertifikatsnummer zu achten, muss ein Fälscher keine Laborprüfung bestehen. Er muss nur den flüchtigen Blick auf einem Marktplatz überstehen.
Das Problem der Datenbank ohne Fotos
Diesen Teil sollte PSA beheben.
Viele PSA-Autogrammdatensätze zeigen kein brauchbares öffentliches Foto des zertifizierten Gegenstands. Das kommt bei einfachen Zertifikaten wie bei LOA-bezogenen Datensätzen so häufig vor, dass Käufer gelernt haben, „kein Bild verfügbar" als normal hinzunehmen.
Daraus entsteht eine gefährliche Lücke:
1. Ein Käufer gibt die PSA-Zertifikatsnummer ein. 2. Die Nummer existiert. 3. Die Datenbank zeigt kein brauchbares Bild des Gegenstands. 4. Der Käufer kann nicht unterscheiden, ob das fehlende Bild die übliche Schwäche der PSA-Datenbank ist oder ein Hinweis darauf, dass der angebotene Gegenstand nicht der zertifizierte ist.
Genau diese Unsicherheit nutzen Betrüger aus.
Das gefälschte LOA braucht keine erfundene Nummer. Es kann eine gewöhnliche PSA-Zertifikatsnummer ohne öffentliches Foto nehmen, ein Schreiben im PSA/DNA-Stil darum herum bauen, einen Hologrammeffekt ergänzen, die Unterschrift von Joe Orlando nachahmen und das Ergebnis so präsentieren, als stütze die Nummer ein echtes LOA.
Das ist kein Problem des Käufers. Das ist ein Problem im Aufbau der Datenbank.
Das M63-Cluster bei LeBron
Die LeBron-James-Beispiele zeigen das Versagen der Regeln am deutlichsten.
Auf die LeBron-Nummernreihe `M63...` habe ich schon in früheren Beiträgen hingewiesen. Es ist ein bekanntes auffälliges Cluster, das Autogrammbetrüger immer wieder verwenden. Der Bereich umfasst etwa 70 Nummern, und PSA sollte das gesamte betroffene Cluster für Autogramme von Spitzensportlern deaktivieren, statt einzelne Nummern selektiv zu sperren.
Von `e4egg` hat CheckCOA bereits diese `M63...`-LeBron-Datensätze erfasst:


Es bleibt nicht bei einem Verkäufer, der diesen Bereich nutzt. CheckCOA hat außerdem exakte Wiederverwendung über Verkäufergrenzen hinweg mit Zertifikatsnummern von `e4egg` gefunden:

Deshalb sage ich immer wieder: PSA muss auffällige Nummerncluster bei Spitzensportlern komplett schließen und nicht einzelne Nummern nachträglich sperren, nachdem Sammler hereingefallen sind.
Zwei PSA-Aufkleber, weil einer offenbar nicht absurd genug war
Manche Angebote sind auf die schlechtestmögliche Weise unfreiwillig komisch.
Beim Tom-Brady-Beispiel zeigt das Trikot offenbar einen PSA-Aufkleber auf der Nummer und einen weiteren PSA-Aufkleber innen in der Nähe des Etiketts. Ein Aufkleber war anscheinend zu wenig. Das Trikot brauchte innen noch einen zweiten, wie ein Garantieschild.
Bei so einem Detail sollten Marktplätze innehalten und den Verkäufer prüfen. Ein echtes Authentifizierungsverfahren wird nicht überzeugender, wenn eine fälschungstypische Aufmachung noch mehr Aufkleber ergänzt.

Was CheckCOA erfasst hat
CheckCOA hat bereits 53 PSA-Datensätze im Zusammenhang mit `e4egg` in die Fraud-Alert-Datenbank aufgenommen.
Alle 53 sind PSA-Autogrammzertifikate mit 53 verschiedenen Nummern.
Ein Datensatz enthält einen offensichtlichen Ausreißer bei der Preisnormalisierung (`AI09125` ist als `313681` gespeichert), deshalb lasse ich ihn aus der öffentlichen Summe heraus, bis der Preis bereinigt ist. Für die 52 normalisierten Datensätze mit Preis ergibt sich folgender erfasster Angebotswert:



Joe Orlando sollte das interessieren
Joe Orlando ist nicht der aktuelle Präsident von PSA. Er ist der frühere Präsident von PSA/DNA und der frühere Geschäftsführer von Collectors Universe. Dieser Unterschied ist wichtig.
Sein Name, sein altes Amt und seine nachgeahmte Unterschrift sind aber genau das, was diese gefälschten LOA-Dokumente als Vertrauenssignal einsetzen.
Das sollte PSA stören, und es sollte jeden stören, der den Ruf von PSA/DNA mit aufgebaut hat.
Alle in diesem Durchgang identifizierten Zertifikate von `e4egg` wurden in die CheckCOA-Fraud-Alert-Datenbank aufgenommen.

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